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Von Messern und Bestecken

Es geht weit in unsere Kultur zurück, dass Männer und Frauen ein Messer mit sich trugen, war es doch Werkzeug, Waffe und vor allem bei Männern Statussymbol.
Das Messer zählte im Mittelalter bis weit in die Neuzeit hinein zum persönlichen Besitz eines Menschen, der nicht gepfändet werden durfte. Messer wurden als selbstverständliches Accessoire stets mitgeführt. Bei Tisch führte man Speisen - wenn nicht mit den Fingern - mit dem Messer oder einem Spießchen, dem so genannten Pfriem, zum Munde.
Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde die Gabel allgemein bekannt, diese wurde von der Kirche anfangs wehement abgelehnt, die meinte dass Speise als Gottesgabe mit der Hand geführt werden solle und dass die 2 Zinken der Gabel an die Hörner des Teufels erinnern.
Die Gabel wurde zum Partner des Messers und mit diesem paarig gestaltet.
Messer und Gabel transportierten die “waffenfähigen” Männer der adeligen Kreise zusammen mit dem Dolch oder Degen in so genannten “besteckten” Scheiden, wovon der Ausdruck Besteck herrührt. Menschen denen das tragen von Waffen nicht erlaubt war trugen ihr Besteck in eigenen Köchern am Gürtel hängend, die je nach Besitz und Stand mehr oder weniger prunkvoll ausgeführt waren. Die Griffe waren aus besonderen Materialien und kunstvoll verziert. Waren beim Adel Koralle Elfenbein oder Bernstein üblich, so verwendeten die weniger begüterten Kreise Horn, Geweih oder Knochen.
Die bäuerliche Tischkultur folgte den tonangebenden Schichten nur allmählich. Bis ins 20. Jahrhundert hinein lagen Messer und Gabel nicht auf dem Tisch bereit. Fleischspeisen wurden ohnehin selten aufgetragen, und dann kam das persönliche Speisebesteck zum
Einsatz.

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Das kostbar gestaltete Gerät wurde zu wichtigen Anlässen, wie Taufe oder Hochzeit, geschenkt und in vielen Gegenden zum Bestandteil der Tracht.

Zum Tischzeug gehörte neben einem spitzen Messer und einer zweizinkigen Gabel häufig ein Pfriem, der als Wetzstahl oder auch als Ahle ausgeführt war, versorgt in einer Scheide aus verziertem Leder. Männer trugen es in der Hosentasche (Messertaschl), Frauen am Gürtel.

Aber auch wer auf Reise war wie die zahlreichen Fuhrleute führte Messer und Gabel selbstverständlich mit, da Reisende bis ins späte 19. Jahrhundert hinein nicht damit rechnen konnten, in einem Gasthaus ein Besteck zur Verfügung gestellt zu bekommen.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und in manchen Regionen darüber hinaus gehörte ein Fuhrmannsbesteck zu den normalen Gebrauchsgegenständen und natürlich auch zur Tracht (Volkstracht). Anfang des 20. Jahrhundert gingen die Bestecke und die aufwendig gearbeiteten Messer mehr und mehr zurück und wurden in der Tracht von den heute weit verbreiteten Hornmessern verdrängt, die leider mehr und mehr zum Massenprodukt verkommen und in mancher angebotener Ausführung jeglicher Tradition entbehren.

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Felix Freiherr von Lipowski: “ Hochzeitsmahl in einer Schänke” (um 1825)
Geiger und Tänzer tragen mehrteilige Essbestecke im Messertaschl.